Kapitel 2 - DIE KUNST DER LÖSUNG UND BINDUNG

2.1 - Der Wanderer

Ein Protagonist im rätselhaften Spiel der Formen,
rief die strahlende Macht der Göttlichkeit hernieder
In die dumpfe Not der Erde und in die blinde Leere.

Der Welt Verlangen zwingt zur sterblichen Geburt.
Zwingt den Siedler ferner Sphären der Unendlichkeit
Zu uns hernieder in die Provinz kurzlebiger Sicht.

Er willigt ein in die Unwissenheit der Erde,
Ihm eigen ist die Macht des Unwissbaren.
Ein Schatzmeister übermenschlicher Träume,
Trägt den Stempel mächtiger Erinnerungen
Und gießt seinen Glanz auf menschliches Leben.
Seine Tage sind ein Wachsen in Äonen hin zum Höchsten.
Sein himmelwärts gerichtet Wesen speist sich
Mit Nahrung aus okkult-spirituellen Quellen.

Seine Seele lebt als Gesandter unsichtbarer Ewigkeit,
Sein Wille späht im Meer der Dunkelheit mit Blitzgewitter.
Er kommt als Einwohner aus großen Höhen.
Er wählt zum Spielplatz seiner Unendlichkeit
Die körperliche Form, die nicht alles ist.
Die Formen täuschen, die Person ist Maske.
Verborgen tief im Menschen wohnen andre Mächte.
Ein Unbekannter kreuzte durch das Meer der Jahre
Ein Unvergänglicher im Schiff all der Zerbrechlichkeit.
Ein feuriger Funke des Allwundervollen,
Ein Künstler hoher Schönheit, hehrer Wonne,
Verweilt unsterblich hier in unsrer sterblichen Brust.

In stummer Stärke wechselt der Wanderer sein Selbstbildnis
Von Form zu Form, von Leben hin zu Leben,
von Stufe hin zu Stufe wächst er unter seinem eignen Blick.
Vom Engerling erstrahlt im Selbstbildnis der Schmetterling.

Er wandert auf den Pfaden durch die Zeit
Bis an die Grenzen seiner Ewigkeit.
In das vergängliche Symbol des Menschen
hüllt er seine Substanz eines totlosen Lebens
Und verliert so seine Verwandtschaft mit der Sterblichkeit.

Ein Strahl des Ewigen trifft des Menschen Herz,
Weitet sein Denken aus und seine Seele steigt empor
Und eint sich mit dem Meer an Glück und Seligkeit.

Das Siegel seiner integralen Einheit zeigt sich in der Seele
Und formt den Körper um in eine lichte Transparenz.
Eine lange dämmrige Vorbereitung ist des Menschen Dasein,
Ein Kreislauf von Mühsal, Hoffen und von Krieg und Frieden.

3.5.24

2.2 - Buddhas Nirvana

Ein furchtloser Erkenntniswille trennte kühn
Die Sicherheitsgurte von der menschlichen Vernunft,
Die den Sprung der Seele ins Unendliche verhindert.
Bemühungen, die sterbliche Herzen zerschmettern,
Führte der Kühne aus mit Selbstverständlichkeit.
Er folgte Zielen, für den Alltags-Willen zu gefährlich,
Seine innerste Schau wartete nicht aufs Denken,
Er sah ins wahre Selbst der Dinge
Und erlebte ihr Glück und ihren Kummer.

Im magischen Durchgang jenseits unsrer wachen Gedanken,
Öffnete sich eine Tür, eingelassen in den Rahmen der Materie,
Und gab Dinge frei, die der Wanderer noch nie erfasste.
Eine andre Welt, dem äußeren Mental unsichtbar, unbekannt,
Erschien in den stillen Räumen der eignen Seele.
Versunken in die Herzschläge innrer Ekstase,
Blickte er über die weiten Schweigsamkeiten
Und hörte die Schritte ankommender lichter Götter,
Die auf den fernen Alleen des Äthers sichtbar wurden.

Er hörte die geheime Stimme, das Wort, das weiß,
Und sah das geheime Antlitz, das unser eignes ist.
Die innren Ebenen enthüllten ihre kristallinen Töne,
Fremde Kräfte und Einflüsse berührten sein Leben
Und machten ihn zu dem, was er im Selbst wahrnahm.

Die Luft erglühte und sprühte in allen Formen und Farben,
Ein Kanal der universalen Harmonie öffnete sich,
Ein unablässiger Strom magischer Rhythmen,
Strömte durchs Flussbett seiner Wahrnehmung
Und enthüllte, was er sonst intuitiv erfasste als geheimer Sinn.

Im unaufgelösten Drama, aufgeführt im Kreislauf der Zeit,
Sprühte ein Gelächter des schlaflosen Vergnügens
Und hallte als Schrei der Freude durch den Raum.
Erinnerungen an das einst Erlebte in fernrer Zeit
Belebten ihn mit all der goldnen Gabe Fülle.
In Freiheit und Erfüllung und Zufriedenheit
Zog er als Reisender durch die nahen Jahrhunderte.
Unhörbar für unsre tauben Ohren, webten die Rhythmen
Ihren Gesang im Vers-Takt abstimmt mit der Unendlichkeit.

Vision und Traum erzählten Fabeln von der Wahrheit
Eröffneten Symbole, bekräftigt durch bedeutungsvolle Siegel.
Die Ewig-Lebenden, die wir die Toten nennen,
Verließen ihre Heimstatt jenseits von Geburt und Tod,
Um eine Weisheit auszudrücken, die jede Phrase übersteigt.
Sein Bewusstsein wuchs und nahm größren Schwung an
Und überschritt im elegantem Flug die Regeln der Materie.
In dieser Welt der Zeichen und Verwunderung trat er
In eine unbekannte Stille, wo keine Welt mehr ist.
Alle Symbolfiguren verloren ihr Bedeutungsrecht.
In hehrer Stille stieg er auf in einen zeichenlosen Raum,
Wo der Spirit sich selbst in erloschener Frequenz sah.
Er sah die Dinge und Geschöpfe als sich selbst
Und erkannte jedes Wort als eigne Stimme.
Dort ist die Einheit viel zu nah fürs Suchen und fürs Finden
Die Liebe ist die Sehnsucht des Einen nach dem Einen,
Und Schönheit ist der Unterschied im Glanz des Gleichen,
Und Einssein ist die Seele in stets neu-entzückter Vielfalt.
Es einten sich die Wahrheiten in einer einzgen Wahrheit
Und alle Ideen kehrten zur Wirklichkeit zurück.
Dort wohnt die Weisheit frei und erhaben, wortlos, absolut,
Bewegungslos und souverän und ganz allein.
Hier braucht Erkenntnis keine Worte, um sich zu bezeugen.
Eine Idee sucht nicht im Denken seine Wirklichkeit.
Dort verkehrt das Grenzenlose mit dem Grenzenlosen,
Dort weilend ist man seine eigene Unendlichkeit.
Sein Zentrum ist nicht mehr das irdische Mental.

7.5.24

2.3 - Zurück ins Goldfischglas

Frei war seine Seele als ein Zeuge und als Souverän.
Nicht absorbiert mehr in dem Eintagsfliegen-Fluss,
Wo das Mental dahintreibt wie auf einem Floß,
Unaufhörlich eilend von Phänomen zu Phänomen.

Sein Kampf der Kräfte, um sich ringend durchzusetzen,
Endend im trägen Matsch einer plastikfizierten Erde,
Das Schicksal, das die Tugend mit Scheitern straft,
Die Tragödie, die ein langes Glück zerstört,
Endet in einer Wahrheit, die im eignen Licht erstrahlt.

Im Sekundentakt erlebte er die ungezählten Jahre
Und sah die Stunden wie Punkte auf dem Schirm.
Der Augenblick ging auf im ewigen Strahl,
Klärte auch das, was noch nie erschaffen war.

Der schuftende Denker weitete sich und wurde still,
Seine Seele segelte hin über endlose Gestade.
Der Geist schirmte die uferlose Weite nicht mehr ab.
Der bedeckte Himmel wich zurück und gab den Blick frei
In überbewusste Reiche reglosen Friedens,
Wo jedes Urteil aufhört und das Wort verstummt
Und das Unbedachte pfadlos liegt allein,
Dort gab es nur das Schweigen und das Absolute.

Aus dieser Stille stieg neugeboren das Mental,
Ein Gedanke sehend, eine selbst-enthüllte Stimme.
Er kannte jene Quelle, aus der sein Spirit kam.
Bewegung ward vermählt mit den ungewussten Weiten.
Er senkte seine Wurzeln in das Unendliche,
Er gründete sein Leben auf die eine Ewigkeit.

Des Körpers sichere Stille und des Lebens stille Trance,
Die atemlose Macht, die Ruhe eines schweigenden Mentals
Vergingen sanft und sanken wie ein goldner Tag.
Das Bedürfnis auszuruhen in vertrauter Pose wie ein Kind,
Zu wandern auf gewohnten staubbedeckten Wegen.
Er lernte neu zu gehen, löste den strapazierten Willen ab
Und dämpft das Feuer auf dem Altar des Herzens.

Eine alte dumpfe Schwerkraft riss ihn abwärts
Zu jener blind getriebnen Trägheit seiner Basis.
Er fand sich wieder in jenem wohlvertrauten Goldfischglas.

10.5.24

2.4 - Im Zwielicht der Evolution

Die Zwillings-Zweiheit, auf ewig eins,
Erwählt ihr Heim im Tumult der Sinne
Und verrichtet unbemerkt in unsren Zellen,
Von der Finsternis verhüllt ihr Werk.

Unsre Zellen müssen die Flamme wahren,
Sonst würde nur der Spirit zu seinem Ursprung kommen,
Und die halberlöste Welt dem Schicksal überlassen,
Die Natur würde sich unerlöst weiter mühen,
Die Erde würde sich weiter hilflos drehen
Und den Zweck der unerlösten Schöpfung verfehlen
Bis schließlich das Universum vergeblich unterginge.

Mit jedem Aufstiege kommt eine größere Gelassenheit,
Ein Aufenthalt auf einem höheren Plan des Seins.
Das Licht spiegelt sich zwischen Himmel und Erde,
Bei jedem Schritt des Aufstiegs wächst,
Gleich wie der Mond auch zunimmt,
Die Pracht der Ganzheit in der Seele.
Die Gegenwart der Wahrheit in den Stunden,
Erweitert langsam nur die sterblich Sicht der Dinge
Und überbrückte die Kluft des Menschen Schicksal.

In stillen Höhen und geplagten Tiefen
Gibt der gelassne Spirit seine Zustimmung.
Gelassen gegenüber Sorge und Entzücken,
Unverführbar durch das Wunder und das Bitten,
Nimmt der Spirit den wahren Fluss der Dinge wahr
Und stützt ruhig, unerschütterlich all das, was ist.

Versunken in das Schweigen mit geschlossnen Augen
Kann des Spirit Kraft mit neuer lichterfüllter Kunst gestalten,
Einwirken auf den grobe Stoff, aus dem alles geschaffen ist.
Inspirationen brachten auf blitzgeschwinden Füßen
Die Einsicht in die tiefempfundnen und verborgnen Dinge.
Wie wenn aus einer goldenen Phiole sich plötzlich
Die Essenz der Einsicht in den Kelch des Herzens gießt,
So ergossen sich die schöpferischen Worte
In das Entzücken seiner schöpferischen Tat.

Als Sammler ungezählter kleiner Wahrheitskörner,
Als Garbenbinder all der flüchtigen Erfahrungsschimmer,
Fand er die best gehüteten Geheimnisse der Daseins-Macht
Und hüllt seine magischen Methoden in tausend Schleier ein.

Er sammelte die unscheinbaren und entfallenen Geheimnisse,
Aus dem Staub und aus den Ritzen seines unwegsamen Weges
Und vergrub die Überreste im Winkel eines vergessnen Raums.

Als Reporter notierte er seine Erkundigungen bei den Göttern
Und bringt den Sterblichen die inspirierte Kunde.
Über dem leuchtend schmalen Bogen der Vernunft
Zog flimmernd leicht ein blasser Mond.

Die magische Ordnung des kosmischen Mentals erzwang
Die Deutung einer Reihe faktischer Symbole der Natur.
In einem Chaos voller Zeichen, in wirren Wirbeln,
entstand ein Gleichgewicht der Kräfte
Mit Symmetrien selbst-geordneter Effekte,
Mit einer Logik einer ungewohnten Intelligenz,
In der Magie einer sich wandelnden Effizienz.

Gewährt wurde der kurzer Blick in unbekannte Dinge;
Buchstaben von unbewegten Worten stachen hervor.
Aus einem namenlosen Ursprung tauchten Spuren auf,
Um einem Körper einen göttlichen Namen zu geben,
Das Lächeln einer Liebe sanktionierte das lange Spiel.

Aus einer umfassende Stille brach das inspirierte Wort.
Befreit aus Drachenkrallen trug die Göttin
Im Laternenlicht der Nacht die Reste ihres Schatzes.
Gefunden war der Schatz und alles wurde weit gemacht.

12.5.24

2.5 - Die Stimme des Daimon

Die Näherung im Morgentau der frühen Stunde,
Der Aufgang erster Sonnenstrahlen am Rand des Horizonts,
Sind die ersten Schatten hin zu dem, was kommen muss.
Der Mensch ist nicht der Gipfel, er ist ein Ausgangspunkt,
Um mit den ungebornen Mächten die Wirklichkeit zu bauen.
Größre Taten warten im Selbst entdeckt zu werden.
Unermesslich sind die Weiten, von Göttern abgeschirmt,
Abseits gelegen von den hochdotierten Forschungsstraßen
Und viel zu dünn für jene Atemluft der äußeren Natur.

Auf dem engen Feld, wo alles unklar ist und nichts gewiss,
Erscheint das eigne Wesen äußerst dürftig,
Ein flackernd Licht in einer fremden ignoranten Welt.
Die Erde tickt in der Mechanik Tiktak als brutaler Zufall,
Als Netz des Todes, in welchem Kreuz und Schwert herrscht.
Alles, was man gelernt, erscheint als zweifelhaftes Raten.
Im dunklen Unbewussten dreht sich alles fort und fort
Und kehrt am Ende ungelöst zur Ausgangslinie zurück.
Unverständlich bleiben des Lebens ungelöste Paradoxien,
Widersinnig sind die Sanktionen zum Schaden des Lebens.
Das Rätsel löst sich nicht auf dem Schlachtfeld der Eliten.
Dunkle Mächten graben sich durch Not ans Tageslicht.
Der Mensch ist Erbe animalischer Instinkte und Wickelkind.
Eine kämpferische Ignoranz ist sein Kriegsgeschrei.
Nur in seiner Arroganz weiß er, was er erreichen kann.
Soll er nicht enden wie das Mammut oder wie Ötzi?
Was ist der Mensch fragt sich des Wandrers Bruder Faust?
Der Alte sagt nur lapidar: ich bin so klug als wie zuvor.
In Bahnen fehlerhaften Denkens verläuft sein Leben und
Als Meisterdenker lehrt er andre seine eigne Täuschung.
Er wohnt nicht wie die Unsterblichen auf todlosen Höhen.

Nur selten hört man die kosmische Stimme des Daimon.
Uns fehlt der Weitblick für Schicksal, Los und Willen.
Nur mangelhaft hören wir des Daimon Stimme,
Der die Vollmacht hat und so gelassen bleibt
In des Menschen Elend und doch Zeitenläufe ändern kann,
Der nicht regiert wird von der Stempeluhr der Zeitnot.
Er kennt das Schicksal dieser Welt und seinen Ursprung,
Er durchschaut die trügerischen Ansprüche der Macht.

20.5.24