LOGBUCH II

Das endlose Buch In diesem Logbuch wird das Leben eines Wanderers geschildert, der sich auf eine magischen Reise begab. Seine stichwortartigen Aufzeichnungen auf fliegenden Zettel und seine blogartigen Notizen, die er in einem versteckten Onlineaccount festhielt, nutzt er nun, um die Begegnungen, Panoramen und vor allem die eigenen seelischen und mentalen Einsichten und Einsamkeiten zu deuten. Reich und bunt, rhythmisch und ergreifend, teils kryptisch, teils offen schildert er seine Erlebnisse und Ergebnisse der Reise. Sein Aufbruch und Ausbruch aus dem Alltag setzt ihn großen Gefahren aus, die ihn anfangs an seinem eigenen Verstand zweifeln ließen. Schließlich wird auch die letzte Wahrheit seiner Jugend brüchig, nämlich die Sterblichkeit als unumstößlicher Fakt. Die Tassen bleiben im Schrank, dafür wackeln nun die Dogmen in Religion, Wissenschaft und Kunst und einzig seine innere Vision führt ihn sicher über die Abgründe der Zeit und klaffenden Räume, die sich immer wieder vor ihm auftun. In der Fremde findet er die Heimstatt und Wahrheit seiner Vision.

5.5.24

Kapitel 1 - DER GOLDENE FADEN

1.1 Der Aspirant

Das Leben hatte ein Punkt erreicht, wo alles unnütz wird
Wo nur das Selbst das Joch des angeschirrten Lebens aufhebt.
In einer Episode längst verlorener Erinnerung,
Vergessen war des Lebens Anfang, dessen Motiv und Ablauf,
Es wird nun alles neu entworfen und neu festgelegt,
Der Worte Sinn in kosmischer Folge neu gesetzt.
Das Kind vergangner Träume verblasste und
Er durchbracht die Wegblockade hin zum Leben ohne Tod.
Die schwarze Göttin tilgte knirschend das alte Schicksal.
Grenzen wurden neu gezogen, Theorien eingestampft.
Im Zwiegespräch der Seele wird das Universum aufgewogen.
Die Seele wird ausgesetzt einer formlosen Ursache.
Auf kahlem Gipfel, wo das Selbst alleine ist mit Nichts,
Das Leben keinen Sinn ergibt und Liebe keinen Platz hat,
Vertritt der Aspirant am Rande der Vernichtung seinen Fall
Und fordert sein Recht zu werden und zu sein.

20.4.24


1.2 Ein Waldkautz

Im engen Zirkel eines kleinen Lebens,
Dürftig an Glück und starr und unbeweglich,
Lebt ein Kautz in eng begrenzter Zeit auf kleinem Raum.
Nur unbedeutend seine tägliche Routine,
Geschützt in einer unwissenden Hütte,
Hofft er der Welt Geheimnis zu entschleiern.

Im Saum der Dürftigkeit gefangen,
Zwingt er die Weite der Unendlichkeit in seine Hütte.
Das ursprüngliche Recht auf Sein und Werden,
Unterwirft er dem Anspruch seiner niederen Natur,
versteckt sich ungeschützt in seiner Schläfrigkeit
und sucht nach Freiheit und Entschleierung der Welt.

Die ruhelose Menschenmasse flieht er
Und seinen Wein schlürft er allein in Zwietracht.
Kein heller Blitz dringt ein in seine düstre Nacht,
Kein Farbenglanz erstrahlt auf seinem leeren Schirm.
Haus und Hütte ducken sich am Waldesrand
Die Bäume recken sich wie dürre Geister.

Den Alltagslärm verlassend geht er in sich.
Und zum Erkennen still gemacht,
Geht er dem Grund seines Versagens nach.

Wissen und Tatendrang sind sein Lebens-Drive,
Sein Fortbestand, sein Wille, seine Zukunft.
Vergebliche ist sein Stolz, belanglos sein Erfolg,
Das Mühen um Erkenntnis nur ein eitles Unterfangen.

Die Wendung folgt, Stille erfasst sein ringend Herz,
Der Wert der eitlen Dinge flieht und verblasst.
Sein Herz erfüllt nun einen Ruf aus weiter Ferne.
Ein Wesen nähert sich, namenlos und doch vertraut.
Unermesslich weit und ihn bezwingend
Lockt es ihn tiefer noch ins innre Selbst.
Er reift zu innrer Stärke und zu neuer Größe.

10.Apr.24


1.3 - Ruf und Abenteuer

Den Spirit wachzurufen im gedankenlosen Universum,
Säte die Gottheit den Gedanken in die gefallene Natur
Und rief zum Abenteuer des Bewusstseins auf.
Das Vergessen, das dem Falle folgt,
Löschte die Tafeln der ursächlichen Deutung aus.
Alles was vergessen ist, muss neu errungen werden.

Der Gottheit Botschaft stahl sich ein als neue Hoffnung
Als wundersame Geste sachten Anrufs.
In fremden Zeichen loderte die erste Botschaft,
Am fahlen Rand der lichtentfachten Schöpfung.
Als Besucherin des Augenblicks erstrahlte die Gottheit.
In Hieroglyphen magischer Bedeutung,
Schrieb sie die Zeilen dieses halbenthüllten Epos,
Das von der Größe einer neuen Morgendämmrung zeugt,
Kodifiziert in Lichtsignalen eines entferntes Zieles.

25. Feb. 24


1.4 - Die schwarze Göttin

Der Erde tragisches Verhängnis, Streithähne alter Zeiten,
Alles, was ist, war schon und kommt zurück.
Unförmige Gestalten kreisen schrecklich in der Nacht,
geboren aus dem Unbewussten, erwacht zum Kampf.
Im Elend leerer Zeit sieht niemand des Lebens hehres Ziel.
Die Frage nach des Menschen Sinn erhebt sich neu.

Die Alchemie der Erd-Natur, die Wandlung unseres Seins,
Ein eitles Unterfangen, einzeln gelingt es nur und selten.
Die Sterblichkeit erzittert vor der Ewigen Berührung,
Erzittert ängstlich vor des Feuers Ansturm
Und stößt mit Hass das angebotne Glück zurück.
Die niedere Geburt legt ihre Sterblichkeit, ihr Unwissen
Den Höhen leidvoll auf als das Gesetz des Abgrunds
Und zieht die Ignoranz den Götterfunken vor.
Die Gottheit berührt nur kurz das Herz des Menschen,
Wenige nur entflammen und steigen auf zu größrem Leben.

Einsam erhob sich eine Macht am Rande des Mentals
In einer tiefen Kluft der Regungslosigkeit,
Ein magisches Erinnern, schattenhaft und unerhellt.
In leisen Schritten nahte sich die schwarze Göttin
Und rief verwegen auf zu einem ungeteilten Werk.

Tief, unerschütterlich und unerhellt und doch entschlossen,
Regte sich jetzt ein neues Leben durch des Körpers Anruf.
Ein Pfad erhellte sich, geoffenbart durch einen Traum,
Seltsame Symbolen kehrten zurück ins dämmrige Bewusstsein.
Des Denkens müde Füße lernten die Eile der Eingebung.
Offen lag der Göttin Lebensstraße aufgezeichnet da.
Auf blauen Bergen hochfliegender Jugend,
Entfaltete die erste Liebe sich mit Pfauenflügel.
Es kommt die Stunde, wo alle Mittel der Natur versagen.
Zurückgeworfen auf die nackten Urbedürfnisse,
Beugt sich die Oberflächen-Seele unverhüllt
und folgt der eignen innren Einheit und dem eignen Ruf.

27. Feb. 24


Gesang 1.5 - Flug der hohen Freude

Versunken raunten weite Wälder ihre Zauberworte,
Und mit der Plötzlichkeit einer funkelnden Ankunft
Wandelte sich der Lauf der Stunde in helles Entzücken.
Inspiration erfüllte des Wandrers Herz mit unsäglicher Freude
Und trieb sein Handeln an zu schöpferischem Pulsschlag
Und ließ erzittern seinen Körper im Morgenlicht der Dämmerung.

Ungeahnte Rhythmen wiegten sich im Zeittakt seiner Schritte,
Ein Blick, ein Lächeln weckten erbebendes Empfinden
Und selbst im Erdenstoff verströmte sich die unsägliche Freude.
Wie eine Seele fliegen mag, einem freigelassnen Vogel gleich,
befreit von kerkerhaften Gitterstäben eines zwergenhaften Ichs
Erhob sich ein Gesang zu einer ungeahnten neuen Schöpfung.

Er flog empor zu seinem hohen feinen ursprünglichen Äther,
Und er bewegte sich in ihm wie in seinem eignen Heim.
Er fand die eigne Zeit in sich, geöffnet war sein Blick
Die Türen standen offen in seinem beengten Käfig,
Er war nicht mehr dem kummervollen Wandel ausgesetzt.

Eingedenk der Schönheit, vor dem Todeszugriff sicher,
War er verwundert über die Welt der brüchigen Formen,
Und genoss die Straffreiheit der ungebornen Mächte.
Verschont vom Staub der Sterblichkeit,
Spiegelte sich in ihm die höchste Form der Freude.
Ein Feuerdrachenvogel endloser Wonne schwebte
Mit brennenden Flügeln über den Tagen.

Doch dauert keine Freude bis ans Ende,
Es gibt 'ne Trübnis in den irdischen Dingen,
Die einen frohen Klang nicht allzu lange dulden.
Geschleudert in den Strudel einer Blitzesschnelle,
Fand er sich wieder im Joch der Not und Wendigkeit.

23.4.24


1.6 - Größe und Ziel

In seinem Aufstieg hin zum Gipfel, den sein Fuß noch nie betrat,
Sucht der Wanderer nach einer bisher stets verfehlten Wahrheit,
Sucht er nach einer Antwort, die wohl kaum je jemand fand,
Wo der Glanz erscheinen muss, für den er einst hier antrat.
Über die Grenzen seiner steinernen Natur wagt er,
In einem weiten Flammenbogen, den Aufstieg hin zu seiner Vision.

Dies wird bezeugt in seiner eignen Immanenz der Wahrheit,
In seiner eingeborenen Natur als Lehm-Maschine,
Aus der gespachtelt wird in halbfertigen Blöcken
Zu Himmelszwecken wissentlich der neue Mensch.

In steter Gegenwart formt der Grandeur des Spirits,
Modelliert der Alchemist den Gott aus Stein.
Er modelliert aus magischer Substanz
Intuitiv in seiner wunderbaren Werkstatt,
In seiner innren Zeit die rhythmischen Partien aus
Bis dann das Kronjuwel geschliffen funkelt
Und verwirklicht ist das Mysterium der sterblichen Struktur.

Die Grenzsteine der Personalität fallen in sich zusammen,
Aufgehoben sind die Abmachungen der Konzepte,
Durchgestrichen sind die rigorosen Sätze,
Alle grauen Verbote wurden zerrissen. Verlassen sind
Die eingezäunten Pferche sicher geglaubter Dogmen.
Ausgedroschen ist das trockne Stroh der Schulen.

Eine Vision der Himmelshöhe breitet sich aus,
Ungeteilte Wahrheit findet immensen Raum,
Das endliche Selbst vermählt sich mit dem Grenzenlosen.
Nach langem Marsch steigt er empor mit Adlers Flügel,
Das Ende einer langen Lehrzeit in der dumpfen Halbwahrheit
Erhebt den Spirit in das meisterliche Handwerk
Und machte ihn schließlich zum Erz-Steinmetz
Und zum Erbauer des geheimen Hauses des Unsterblichen.
Freiheit und Götterfunken führen ihn zu jener Höhe
In des Lebens sterngeführter Nacht,
Führt ihn durch sie zur Morgenröte eines neu erhellten Tages.

Ende des ersten Kapitels

1.5.24


ÜBER MICH

Portrait des Autors dieser Website Ich wurde 1953 in Sulzburg, Südbaden geboren, wo ich auch Kindheit, Jugend und zwei Berufsjahre als Feinmechaniker verbrachte.

Von 1978 bis 1985 studierte ich Chemie in Konstanz und Freiburg. Im Anschluss an das Studium erhielt ich eine Anstellung als Chemiker im Landesamt für Wasserhaushalt und Küsten in Kiel. Ich führte das Zentrallabor und war zuständig für die Bestimmung organischer Schadstoffe und Schwermetalle im Küstenbereich von Nord- und Ostsee sowie der Fließgewässer in Schleswig-Holstein. Ich erstellte Gutachten und wissenschaftliche Berichte zum Zustand dieser Gewässer.

In dieser Zeit in Kiel reifte mein Entschluss mich ganz der Naturheilkunde zu widmen. Ich wechselte nach Mannheim, um hier 1990 das Studium der Naturheilkunde an der Fachschule für Naturheilkunde aufzunehmen. Parallel dazu nahm ich eine Assistenzstelle beim Kollegen Salzwedel in Weinheim an.

1994 schloss ich die Schule für Naturheilkunde mit der Zulassung zum Heilpraktiker ab. Es erfolgte die Gründung einer eigenen Naturheilpraxis in Mannheim mit den Schwerpunkten Homöopathie, Phytotherapie, Naturheilverfahren und Neuraltherapie.

2001 begann ich mit der Entwicklung einer eigenen homöopathischen Software im Kreis meines damaligen Lehrers Girthen, die ich bis 2018 weiterführte.

Seit 2017 lebe ich nun im Ruhestand von einer, sagen wir mal, mäßigen Rente.

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